Parklücken und Egoismus

Bei uns vor'm Haus gibt es einen Parkstreifen, der durch Bäume und Metallbügel so unterteilt ist, dass in den Lücken jeweils 2 Autos bequem Platz haben. Wenn nun so eine Riesenlücke komplett frei ist, dann parken die meisten Leute erstaun- und ärgerlicherweise immer so, dass sie zwischen ihrem Auto und dem Baum mind. einen Meter Platz lassen, also etwa so:

[BAUM]....[AUTO].......[BAUM]

Das bedeutet dann, dass der zweite Parkplatz nur für meisterliche Rückwärtseinparker nutzbar ist - und das auch nur, wenn man kein überdurchschnittlich langes Auto fährt.
Ich vermute, dass diese dumme Angewohnheit etwas mit Angst zu tun hat: Angst davor, dass man selbst Opfer eines solchen Kamikaze-Parkers werden könnte, denn: es KÖNNTE ja sein, dass ich abends so parke:

[BAUM]..[GUTES AUTO]........................[BAUM]

und am nächsten Morgen finde ich die Situation so vor:

[BAUM]..[GUTES AUTO].[BÖSES AUTO].......[BAUM] :(

Das wäre ärgerlich. Denn dann müsste ICH plötzlich minuuuuutenlang rangieren, um endlich aus meiner Parkfalle heraus zu kommen. Also parke ich doch lieber gleich so wie das "böse" Auto.

Ziemlich idiotisch irgendwie. Denn im Prinzip könnten beide reichlich Platz haben, indem sie so parken:

[BAUM]..[GUTES AUTO1]......[GUTES AUTO2]..[BAUM]

So könnte jeder bequem aus der Lücke fahren ... - aber wie gesagt: die Angst ...
Die Bösen sind ja immer die anderen und obwohl klar ist, dass nicht alle böse sind - wahrscheinlich sogar die wenigsten - könnte es aber sein, dass jemand so böse parkt - und bestimmt passiert es genau an DEM Morgen, wo ich das am wenigsten gebrauchen kann! Also lieber gleich jedes Risiko ausschließen und selbst sicher und böse parken.

Seitdem ich die Business-Welt immer näher kennenlerne, beschleicht mich allmählich das Gefühl, dass diese Angst und das daraus resultierende idiotische und rücksichtslose Verhalten ein fester Bestandteil der Marktwirtschaft ist, und dass wir von den Chefetagen bis zum einfachen Arbeiter uns immer mehr an dieses Gefühl gewöhnen, es als selbstverständlich annehmen.

In der Gemeinschaft mit vertrauten Menschen (Familie, Freunde) da ist das nicht nötig, da kann man sich meist vertrauen und muss nicht immer und überall daran denken, dass man ggf. selbst den Kürzeren ziehen könnte ... - meistens jedenfalls.
Aber im Alltag mit "fremden" Menschen - und im Arbeitsalltag sowieso - scheint dieser Parklücken-Egoismus immer mehr um sich zu greifen.
Ganz schön blöd irgendwie ... - denn wir alle wissen ja, dass es sich viel angenehmer lebt, wenn man sich vertrauen kann und Rücksicht aufeinander nimmt. Und noch blöder, wenn die eigentlich völlig unbegründete Angst selbst zum Auslöser des Misstrauens wird.

Ich glaube, es ist Zeit für vertrauensbildende Maßnahmen - sozusagen mit "Mut zur Lücke".

Schönen Tach auch ...
urban

Nachtrag:
Bei den einen sind's Angst und Egoismus - andere können einfach nicht anders: ;)