Taxifahren kurz vor dem Herzinfarkt
17. Januar 2009 von urban |
Donnerstagfrüh brauchte ich mal wieder ein Taxi, um zum Bahnhof zu gelangen. Bei der Hunde-Gassigeh-Runde, dich zuvor schon absolviert hatte, hätte ich mich fast auf die Fresse die Nase gelegt, weil sich stellenweise ein recht ordentliches Glatteis gebildet hatte.
7:48 Uhr musste ich am Bahnhof sein - für 7:15 Uhr hatte ich das Taxi bestellt. Im Normalfall ist man trotz morgendlichen Berufsverkehrs in 20-25 min. am Bahnhof. Pünktlich um 7:15 Uhr hielt das Taxi vor unserem Haus. Der schon etwas ältere Taxifahrer half mir freundlich beim Einladen meines Minikoffers und ich hockte mich auf den Beifahrersitz.
"Ist teilweise ganz schön glatt heute morgen ..." - erwähnte ich vorsichtshalber mal so direkt nach der Begrüßung. Dachte mir: kann nicht schaden, den freundlichen alten Herrn darauf noch mal hinzuweisen. - "Jo, happich auch schon gemerkt. Is abba nur auffe Nebenstraßen ..." - raunzte er zurück - und schon presste es mich tief in den Sitz, da der gute Mann recht heftig beschleunigte.
Hätte ich besser nix sagen sollen? - dachte ich so bei mir ... Gut nur, dass so ein Mercedes ein recht stabiles Bodenblech besitzt, denn ich hätte im Laufe der nächsten Kilometer sonst haufenweise mit den Füßen auf der Straße gestanden. Der Fahrstil dieses Mannes trieb mir - vor allem angesichts des definitiv vorhandenen Glatteises - Schweißperlen auf die Stirn. Ach - und das Betätigen des Blinkers hatte er übrigens konsequent auch nicht nötig.
Außerdem war auch die Frontscheibe gut zur Hälfte beschlagen. Ich konnte also noch nicht einmal so richtig das Übel sehen, auf das wir zurasten. Zur Krönung des Ganzen lief dann im Radio auch noch WDR 4 ... - Für alle Auswärtigen: WDR 4 ist der volkstümliche Schlagersender unserer Region. Von Alexandra über Howard Carpendale, Roy Black bis hin zu Bill Ramsey und Konsorten reicht das Spektrum dieser Ganztagsfolter. Die äußerst originellen Beiträge der dortigen Moderatoren runden das Ganze dann nach unten hin noch ab.
"Der Dumme im Leben ist immer der der Mann" - ein Duett von Chris Howland und Fred Bertelsmann von 1959 musste ich über mich ergehen lassen. Es gab Zeiten, da hätte das Senden eines Liedes mit einem solchen Text zu Brandanschlägen durch extrem-feministische Gruppierungen geführt ...
Erstaunlicherweise überlebte ich das alles und kam sage und schreibe um 7:29 Uhr am Hbf an! 14 Minuten!! - Das war absoluter neuer Rekord - und das bei Glatteis!
So hatte ich nun noch satte 18 Minuten Zeit, um mir mit zittrigen Fingern eine Zigarette zu drehen, während ich noch auf dem Blumenkübel direkt neben dem Taxistand saß. Für das Betreten des Bahnhofes waren meine Knie noch zu weich.
Wo beantragt man eigentlich eine Klage wegen seelischer Grausamkeit???
Errinert mich an heute Morgen, da war es bei uns so glatt das ich mich erst mal so zum WACH werden, hingelegt habe mit einer blitzartigen schnelligekeit über die ich schon ein wenig erstaunt war…
Steffen
Das Dortmunder Taxifahrer grundsätzlich das Rentenalter schon überschritten haben und trotzdem fahren als hätten sie gerade erst den Führerschein gemacht, ist ja nix neues.