Parklücken und Egoismus
9. Oktober 2008 von urban |
Bei uns vor'm Haus gibt es einen Parkstreifen, der durch Bäume und Metallbügel so unterteilt ist, dass in den Lücken jeweils 2 Autos bequem Platz haben. Wenn nun so eine Riesenlücke komplett frei ist, dann parken die meisten Leute erstaun- und ärgerlicherweise immer so, dass sie zwischen ihrem Auto und dem Baum mind. einen Meter Platz lassen, also etwa so:
[BAUM]....[AUTO].......[BAUM]
Das bedeutet dann, dass der zweite Parkplatz nur für meisterliche Rückwärtseinparker nutzbar ist - und das auch nur, wenn man kein überdurchschnittlich langes Auto fährt.
Ich vermute, dass diese dumme Angewohnheit etwas mit Angst zu tun hat: Angst davor, dass man selbst Opfer eines solchen Kamikaze-Parkers werden könnte, denn: es KÖNNTE ja sein, dass ich abends so parke:
[BAUM]..[GUTES AUTO]........................[BAUM]
und am nächsten Morgen finde ich die Situation so vor:
[BAUM]..[GUTES AUTO].[BÖSES AUTO].......[BAUM]
Das wäre ärgerlich. Denn dann müsste ICH plötzlich minuuuuutenlang rangieren, um endlich aus meiner Parkfalle heraus zu kommen. Also parke ich doch lieber gleich so wie das "böse" Auto.
Ziemlich idiotisch irgendwie. Denn im Prinzip könnten beide reichlich Platz haben, indem sie so parken:
[BAUM]..[GUTES AUTO1]......[GUTES AUTO2]..[BAUM]
So könnte jeder bequem aus der Lücke fahren ... - aber wie gesagt: die Angst ...
Die Bösen sind ja immer die anderen und obwohl klar ist, dass nicht alle böse sind - wahrscheinlich sogar die wenigsten - könnte es aber sein, dass jemand so böse parkt - und bestimmt passiert es genau an DEM Morgen, wo ich das am wenigsten gebrauchen kann! Also lieber gleich jedes Risiko ausschließen und selbst sicher und böse parken.
Seitdem ich die Business-Welt immer näher kennenlerne, beschleicht mich allmählich das Gefühl, dass diese Angst und das daraus resultierende idiotische und rücksichtslose Verhalten ein fester Bestandteil der Marktwirtschaft ist, und dass wir von den Chefetagen bis zum einfachen Arbeiter uns immer mehr an dieses Gefühl gewöhnen, es als selbstverständlich annehmen.
In der Gemeinschaft mit vertrauten Menschen (Familie, Freunde) da ist das nicht nötig, da kann man sich meist vertrauen und muss nicht immer und überall daran denken, dass man ggf. selbst den Kürzeren ziehen könnte ... - meistens jedenfalls.
Aber im Alltag mit "fremden" Menschen - und im Arbeitsalltag sowieso - scheint dieser Parklücken-Egoismus immer mehr um sich zu greifen.
Ganz schön blöd irgendwie ... - denn wir alle wissen ja, dass es sich viel angenehmer lebt, wenn man sich vertrauen kann und Rücksicht aufeinander nimmt. Und noch blöder, wenn die eigentlich völlig unbegründete Angst selbst zum Auslöser des Misstrauens wird.
Ich glaube, es ist Zeit für vertrauensbildende Maßnahmen - sozusagen mit "Mut zur Lücke".
Schönen Tach auch ...
urban
Nachtrag:
Bei den einen sind's Angst und Egoismus - andere können einfach nicht anders:
Schön, dass überhaupt mal wieder Verkehr in diesem Forum stattfindet, wenn es sich auch um Parkverkehr handelt. Um mit dem Abschleppwagen gegen gute und böse Autos gleichermaßen vorzugehen: Der Egoismus scheint mir nicht der böse Bube zu sein, schon eher der systematisch untergebügelte Egoismus. Für den ist es nämlich das Normalste der Welt, dass die Parksituation für den Durchschnittsmenschen ohne Chauffeur bescheuert ist und er es im seltenen Falle einer gefundenen Parklücke dann wenigstens beim Ein- und Ausparken bequem haben will und seine Rostlaube so bescheuert hinstellt, dass gilt: “Du sollst keine anderen Autos haben neben mir!”
Auch bei der Vorstellung von der Familie als Insel des Vertrauens in einem umgebenden Meer von Angst und Misstrauen greife ich zum argumentativen Schneepflug. Da soll in den eigenen vier Mietwänden plötzlich alles ganz anders sein als in der sonstigen Welt der freien Bürger, die in Konkurrenz zueinander stehen, sich also systematisch schädigen. Das dürfte nicht klappen. Allein dieser Anspruch, im trauten Heim die Entschädigung für die planmäßige Schädigung außerhalb zu finden, ist der beste Weg, die paar entspannten Stunden, die man sich vielleicht sonst gelegentlich verschaffen könnte, auch noch den Bach runtergehen zu lassen.
Das schaut jetzt nach Frontalzusammenstoß aus. Dürfte aber eher ein Seitenaufprall bei gleicher Fahrtrichtung gewesen sein….
Na ja … – bzgl. der Familie streiche ich das “meistens jedenfalls” und ersetze durch ein “manchmal zumindest …”.
Ansonsten ist hier in der Tat der Seitenairbag ausgelöst worden. Die Sicht nach vorn ist aber nach wie vor okay.
Und: nein – ich gelobe keine Besserung bzgl. meiner immer wiederkehrenden (Foren-)Verkehrsberuhigungen. Verspreche aber, dass jederzeit mit plötzlichen und erwarteten Anfahrversuchen zu rechnen ist.
Wie im Privaten wie auch in der Wirtschaft, lieber Urban der Wind weht schärfer und auch die Eigenschaft ( Ich bin mir selbst der Nächste ) , da ist das Beispiel mit der mit der Parklücke noch das worüber man schmunzeln kann. Zumindest Dein Schreibstil trägt dazu bei .
Steffen
@Fritz
Beim nochmaligen Lesen Ihres Kommentars wurde mir der Ausdruck des “systematisch untergebügelten Egoismus” fraglich. Oder doch zumindest der Zusammenhang, der dazu führen soll, dass eben dieser für den gottgleichen Parkstil verantwortlich sein soll. Hier wäre ich auf eine Erläuterung gespannt …
@Steffen
Das mit dem schärferen Wind scheint mir nur zum Teil zuzutreffen. Gerade die aktuelle wirtschaftliche Situation bringt den ein oder anderen auch zum Nachdenken darüber, ob der bisher eingeschlagene Weg der einzig mögliche und vor allem der sinnvollste ist. Allerdings trifft das wohl eher auf diejenigen am unteren Ende der Nahrungskette zu. Die Fresswütigen in den oberen Regionen sind davon wohl noch weit entfernt …
urban schrieb am 26. 10. 2008:
Zitat: “…wurde mir der Ausdruck des “systematisch untergebügelten Egoismus” fraglich….Hier wäre ich auf eine Erläuterung gespannt”
Mit Freuden!
Das gängige moralische Denken verlangt die moralische Verurteilung des Wildparkers. Urteilstenor: Der denkt nur an sich und nicht daran, dass auch andere parken können wollen. Schuld daran, dass man selber keinen Parkplatz findet – nur dann ärgert einen nämlich die doofe Parkweise des anderen – soll also ausgerechnet ein Charakterfehler dessen sein, der selber vermutlich erst ewig rumgurken musste, um einen Platz für seine Karre zu finden.
Wie wäre es denn mal damit, die Wut statt dessen ein bisschen auf Zustände zu richten, die konstante Parkplatznot für Normalmenschen bei ihren Normalverrichtungen vorsehen? Was ist mit dem Interesse an ausreichendem Parkraum für die dazuverdienen müssende Frau, die die lieben Kleinen zur Tagesmutter, in den Kindergarten oder zur Schule bringen, dann Einkaufen, dann zum Arzt und schließlich selber zum Halbtagsjob muss und zwar alles pünktlich? Dieses Interesse ist systematisch untergebügelt. Da höre ich selten den Vorwurf der Rücksichtslosigkeit gegenüber den Instanzen und Strukturen, die dafür zuständig sind. Aber bei der Dusselkuh, die dämlich parkt, kommt das gesunde moralische Volksempfinden schnell in Fahrt.
Soweit mein heutiges Wort zum Sonntag.
Aber Herr Fritz …. – hier scheinen mir aber die Pferde ein wenig mit Ihnen durchgegangen zu sein. Wenn die Dusselkuh aufgrund faktisch mangelnden Parkraums ihr Auto frech in die zweite Reihe stellen würde, dann könnte ich Ihnen ja ggf. noch halbwegs folgen (obschon mich auch das vermutlich heftigst ärgern würde, wenn meine Bewegungsfreiheit dadurch eingeschränkt werden sollte).
Aber in meinem kleinen Beispiel ging es ja gerade nicht um real fehlenden Parkraum, sondern um prinzipiell reichlich vorhandenen, der allerdings von manchen leider so genutzt wird, dass es eben durch diese Nutzung zum Mangel erst überhaupt kommt.
Meine bewusst ironisch gewählte Einteilung in “gute” und “böse” Autos werden Sie mir nachsehen. Jedenfalls kann ich Ihrer auf holperigsten Umwegen konstruierten Moralkritik an dieser Stelle nicht wirklich folgen.
Mir ging es ja vielmehr um ein Philosophieren darüber, warum jemand – trotz ausreichenden Platzes – sein Auto ausgerechnet SO parkt, dass es für andere gar nicht oder zumindest nur unter enormen Anstrengungen und mit erhöhtem Verbeulungsrisiko möglich ist, die eigene Karre in zumutbarer Entfernung zur eigenen Behausung abzustellen. Und das, obwohl die “Zustände” es durchaus erlauben würden, dass sowohl die Dusselkuh (oder häufig auch der Dusselochse) als auch meine Wenigkeit bequem ihr Gefährt in den dafür vorgesehen Parkboxen abstellen können.
Und hier bieten sich m. E. drei Erklärungsmuster an:
1. die Unfähigkeit beim Führen eines Fahrzeuges (dürfte eher selten anzutreffen sein)
2. pure Gedankenlosigkeit (sicher hin und wieder der Fall)
3. die Angst, man könne selbst Opfer eines Brutalparkers werden und dann nur mit viel Mühe oder gar nicht aus dem eigenen Parkgefängnis entkommen.
Und da ich dieses Parkverhalten hin und wieder von meinem Fenster aus beobachten kann, drängt sich mir die Vermutung auf, dass Fall 3. nicht gerade selten ist.
Und eben daran entzündeten sich meine Assoziationen bzgl. der Geschäftswelt, die ich ja auch quasi vom Fenster aus beobachte – wobei die Glasscheibe zugegebenermaßen immer dünner wird.
Sollte uns das nicht zu denken geben …?
Soweit dann MEINE Sonntagspredigt ….
Die Parklandschaft Ihres philosophisch ambitionierten Sonntagsparkers unterscheidet sich in der Tat erheblich von der überwiegenden Mehrzahl der real existierenden und vor allen Dingen real nicht existierenden Parkplätze. Vielleicht haben die mir durchgegangenen Pferde guten Grund, genau solche Parkplätze zu scheuen und sind mir deswegen bei genauerer Nüsternbetrachtung gar nicht durchgegangen. Denn am Ende will Ihr Philosoph doch wieder am schnöden wirklichen Verkehr teilnehmen, hoffe ich zumindest.
Aber bitte, ich lenke mein Pferdegespann zwischen die zwei Bäume, die genau für 2 Autos einer philosophisch hier zu fordernden Einheitsgröße und nur EINEM Rangierraum Platz bieten: Ihr parkender Philosoph diagnostiziert doch ANGST und EGOISMUS und kriegt dann recht flott die Kurve zu VERTRAUEN und RÜCKSICHT und GESCHÄFTSWELT und weiß von einer “eigentlich völlig unbegründete Angst” zu berichten, die “selbst zum Auslöser des Misstrauens wird”. Und das Ganze steht unter dem Motto: “Sollte uns das nicht zu denken geben…?”. In der Tat gäbe es hier manches zu denken.
Das Denken würde als erstes die Frage stellen, wieso denn die Angst völlig unbegründet sein soll, zugeparkt zu werden. Darf man vor der Wirklichkeit nicht mehr Angst haben?
Hier … mach Dir Luft und schick mir Deine Bilder ^_^
mir hat’s irgendwann gereicht und wir ham ne Website draus gemacht =)
Zitat aus der verlinkten Webseite
http://www.daemlich-parken.de/
unter dem Punkt “Mach mit!”:
“Und auch, wenn wir schon jede Menge aufmerksamer
Augenpaare um uns herum geschaart haben, so sind
es doch eigentlich NIEMALS genug.
Drum rufen wir euch ALLE auf die Augen offen zu halten
und beim Fund eines exzentrischen Parkers
die DigiCam, das Handy, oder sogar die Super8 zu zücken.”
Das spart dem Staat die doch hässlichen Ausgaben für die Videoüberwachung, wenn das liebe Volk sich selber überwacht.
http://www.stadt-koeln.de/bol/parken/produkte/02760/index.html
http://www.datentransfer24.de/Anzeige-Muster.html
Der nächste Schritt schaut dann so aus:
http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/markdorf/art372484,3531162
Nanana … nun mal nicht hinter jedem Baum die Stasi vermuten.
Wir betrachten es eher mit einem humoristischen Auge und sehen die Sache nicht sooo ernst … letztenendes sind es doch eher Situationen, ueber die man hinterher lacht. Des Weiteren zeigen wir niemanden an oder fordern zum lynchen der Falschparker auf (zumal auch jedes Nummernschild entfernt wird).
Also kein Grund für Panikmache…
…beste Grüße IM Fines
SarahFines schrieb am 20.4.2009:
Zitat: “Des Weiteren zeigen wir niemanden an oder fordern zum lynchen der Falschparker auf”
Wer wird denn gleich an Lynchjustiz denken, wenn sich hier doch wunderschöne Geschäftsmöglichkeiten auftun:
http://www.toman.co.at/leistungen/abschleppung/falschparker.php