38-32-Ü40 Männermaße
19. Februar 2008 von urban |
Ich kaufe mir seit vielen vielen Jahren meine Klamotten selbst. Wobei mir “Shoppen” bei Bekleidungsstücken fremd ist. Da agiere ich eher zielgerichtet. Ich kaufe mir auch nicht EINE Hose, weil gerade diese so cool ist – nein, ich kaufe 4 Hosen, weil ich halt mal wieder welche brauche, genau so, wie wenn das Klopapier zu Ende geht. (Aber keine Angst: ich kaufe öfter Klopapier als Hosen …)
Zu Jugendzeiten – und auch noch eine Weile danach – gab es beim Hosenkauf immer ein ganz wichtiges Kriterium: Wie stark läuft die Hose nach dem ersten Waschen ein? Hosen mussten ja prinzipiell so eng wie möglich sein, damit der Knackarsch (ja, es gab Zeiten, da hatte ich sowas mal …) auch so richtig zur Geltung kam. Aber das war eben jedes mal ein Pokerspiel: Die Hose, die im Laden noch so eben passte, konnte nach dem ersten Waschen u. U. reif sein für die Altkleidersammlung, weil auch mit Hilfmitteln wie Rohrzangen etc. der oberste Knopf und/oder der Reißverschluss sich einfach nicht mehr schließen ließen.
Diese Einlauf-Gefahr war damals allgemein bekannt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine eigene Mutter (manchmal ließ es sich als Jugendlicher nicht vermeiden, diese ungewünschte Kaufberatung neben sich zu haben …) oftmals die Verkäuferin fragte: “Wie stark läuft die denn ein beim ersten Waschen?” – Auch andere Mütter – und bisweilen mich selbst – hörte ich das fragen.
Blöde Frage eigentlich. Denn woher bitteschön hätten die das wissen sollen?! Hätte es Herstellerangaben zur Einlaufgefährdung gegeben, so hätten die sicher mit auf dem Etikett gestanden, so dass die Frage überflüssig gewesen wäre. Dennoch so zu fragen, setzt ja voraus, dass die Verkäufer und Verkäuferinnen entweder aus eigener Erfahrung hätten berichten müssen, wobei nicht anzunehmen ist, dass so jemand sämtliche Hosen in sämtlichen Größen schon mal gewaschen hat – oder aber es hätte entsprechende Fortbildungen der Kaufhausketten geben müssen. Lustige Vorstellung, wie 50 Verkäuferinnen an einem Wochenende ein paar hundert Hosen waschen UND anprobieren, nur um den Einlaufgrad festzustellen …
Wie gesagt: damals bestand das Risiko darin, dass die Hose nach dem ersten Waschen nicht mehr tragbar war. – Seit einigen Jahren nun beobachte ich eine andere Tendenz. Wann immer ich mir in den letzten Jahren eine Hose (oder vier) gekauft habe, dann geschah das immer in dem Bewußtsein, dass in meinem Alter die Taillenweite dazu tendiert etwas anzuwachsen. Also nix mehr mit knalleng – “bequem” soll sie sein. Da ich noch immer das oben geschilderte Einlaufsyndrom tief in mir verankert habe, kaufe ich nicht die Hose, die mir im Laden perfekt passt, sondern nehme dann sicherheitshalber lieber eine Nummer größer.
Nun geht es mir aber schon seit langem so, dass eben diese Hosen nach dem Waschen entgegen allen mir bisher bekannten Natur- bzw. Waschgesetzen nicht mehr ein- sondern ganz offensichtlich quasi auslaufen – sprich: größer werden! Ich vermute, dass die Hosenhersteller sich dabei etwas gedacht haben. Ab bestimmten Größen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Kunden zum Ü40-Kreis gehören. Und die Anzahl der gut gebauten schlanken Körper nimmt bei uns männlichen Wesen (spätestens) ab dieser Schwelle meist ab. Da Mode meist eben doch für Frauen gemacht wird – und diese wie jeder weiß, ab einem bestimmten Alter häufig an wachsendem Realitätsverlust leiden, was die eigenen Körpermaße angeht … (nicht schlagen … – mir kommt’s jedenfalls so vor, gehen Sie nur mal in die Damenabteilung und achten Sie darauf, wie häufig bei den Ü30-Damen dort der Spruch fällt: “die fällt aber SEHR klein aus …” – Frauen probieren auch grundsätzlich erstmal eine “Wunschgröße” an … – bevor sie dann zu den Realgrößen wechseln) – nun also, ich denke mir, dass die Bekleidungshersteller – vorschnell – bei uns Männern von einem ähnlichen Verhalten ausgehen und zur Sicherheit dafür sorgen, dass Hosen in diesen Größen nicht mehr einlaufen – sondern einen Tick größer werden nach dem Waschen.
Liebe Bekleidungshersteller, das mag ja gut gemeint sein. Aber wir Männer sind anders gestrickt. Spätestens ab 40 finden wir uns damit ab (was nicht heißt, dass es uns egal ist …), dass der Bauchumfang sich anders entwickelt als mit 20. Und weil wir in so einem Alter eben mehr auf Bequemlichkeit stehen als darauf, uns unsere Genitalien abklemmen zu lassen, wählen wir schon von selbst lieber eine Nummer größer. Von daher wäre es hilfreich, wenn solche Hosen, die zu den Aus- statt Einläufern zählen, entsprechend markiert wären, z. B. 38-32-Ü40. Denn dann wüssten wir Bescheid – und ich müsste mir jetzt nicht extra wieder mal einen Gürtel kaufen für meine 4 neuen Hosen …



